27. Februar 2015

19:30 UHR ORGEL-OUVERTURE 
20:00 UHR «Sunrise» 

Deutschland/USA 1927. 
Mit George O’Brien, Janet Gaynor, 
Margaret Livingston u.a. Regie: F.W. Murnau 
Dauer: 91 min. 35 mm.


Nach seinem Meisterwerk Faust drehte der deutsche Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau diesen Film in den USA. Produzent William Fox, welcher von Murnaus Film Der letzte Mann begeistert war, lud Murnau in die USA ein, versprach ihm künstlerische Freiheit in allen Bereichen – und hielt das Versprechen tatsächlich ein! Murnau konzipierte den Film, in dem praktisch alles Kulisse ist, mit seinem Team vollständig in Berlin und reiste dann zur Ausführung seiner Pläne in die USA. Dies mag der Grund sein, weshalb Sunrise so “europäisch” aussieht: Kulissen, Schauplätze und Kostüme erwecken in keiner Einstellung den Eindruck, als würde man einen in Amerika gedrehten Film ansehen. Erst in der Stadtsequenz tauchen einige bekannte Nebendarsteller auf, die man aufgrund langjähriger Seherfahrung zweifelsfrei als “amerikanische Gesichter” identifiziert – Arthur Houseman etwa, der ewige Trunkenbold aus den Laurel & Hardy-Filmen.

Die Freiheit, die Murnau für Sunrise in den USA bekam, blieb einmalig. Sunrise ist Kino in Reinkultur – oder besser: Sunrise zeigt als deutliches und leuchtendes Beispiel, was Kino sein könnte. Lebendige Filmkunst, welche ein „Quasi-Nichts“ von Inhalt zu einem Kunstwerk erhebt, indem daraus Kraft der Bilder, der Kamerabewegungen, der Beleuchtung, des Schauspiels eine berührende Allegorie auf das Menschsein erwächst und die praktisch keiner Worte, keiner Zwischentitel bedarf, um ins Herz des Publikums zu gelangen. Wie in den grossen Kunstwerken der Musik - von Bach bis Bartok - kann hier nicht genau festgestellt werden, was die Seele oder die Wirkung dieses Werks eigentlich ausmacht. Es bleibt abstrakt, ein Geheimnis, das aller grossen Kunst innewohnt; sie wirkt trotzdem unmittelbar und direkt und geht zu Herzen – durch die Komposition aller beteiligten Komponenten, vergleichbar mit Bachs z.T. mathematisch scheinbar kühl ausgetüftelten Werken, die den Zuhörer gefühlsmässig jedoch stark involvieren.

Bleibt der Inhalt. A Song of two Humans, so lautet der Untertitel von Sunrise. Darin enthalten ist Mensch-sein und Menschlichkeit. Ohne Worte und Kommentare spürt Murnau mit fast theologischem Duktus der Frage nach, was das Mensch-sein, die Menschlichkeit ausmache – und findet die Antwort: in der Einsicht, in der Liebe, im Akt der Vergebung. Zwei Menschen, ein Mann und eine Frau – ihre Namenlosigkeit soll die Universalität der Erzählung betonen – leben auf einem dörflichen Hof einer Insel. Er ist einer Touristin verfallen, die ihm den Floh ins Ohr setzt, seine Frau zu ertränken und dann mit ihr in der grossen Stadt ein neues Leben anzufangen. Der Mann lockt also seine Frau unter dem Vorwand, einen Besuch in der Stadt machen zu wollen, ins Boot und rudert aufs Meer hinaus. Doch dort begreift er plötzlich, angesicht der Hilflosigkeit seiner Frau, was aus ihm geworden ist. Sie hat seine Absicht erkannt und flüchtet entsetzt, sobald das Boot am anderen Ufer ankommt. Die folgende Reise in die Stadt wird zur Reise ins Innere ihrer Beziehung. Inmitten des entmenschlichten Trubels der Grossstadt finden die beiden wieder zueinander. Reue, Einsicht, Vergebung – Liebe. Und wie diese bei Murnau leuchtet! Da kommen selbst den hartgesottensten Zuschauern und Zuhörern die Tränen.





28. Februar 2015

19:30 Uhr Orgel-Ouverture
20:00 Uhr «Safety Last»

USA 1923 (dt.: Ausgerechnet Wolkenkratzer)
Mit Harold Lloyd, Mildred Davis, Noah Young
Regie: Fred Newmeyer und Sam Taylor
Dauer: 73 min. DVD.


Das Bild gehört zu den berühmtesten der Filmgeschichte: Ein blasser Mann mit dicker Hornbrille und Strohhut hängt am Zifferblatt einer Uhr, welches sich unter seinem Gewicht gefährlich durchbiegt. Wir sehen, dass diese Uhr am oberen Stockwerk eines Hochhauses befestigt ist. Wenn sie nachgibt, bedeutet dies für unseren Hornbrillenträger den sicheren Tod.

Dieses Bild kennen alle, doch Hand aufs Herz: Wer hat je den dazugehörigen Film gesehen?

Safety Last war zu seiner Zeit ein riesiger Box-Office-Hit. Harold Lloyd, der Mann mit der Hornbrille, stach seine Kollegen Charlie Chaplin und Buster Keaton an der Kinokasse aus. Und mit fast jedem seiner nachfolgenden Filme gelang ihm dasselbe. Lloyds Name wurde seinerzeit im selben Atemzug mit Chaplin und Keaton genannt. Er arbeitete selbständig und drehte einen Hit nach dem anderen – sowohl künstlerisch als auch hinsichtlich des Publikumserfolgs. Erst mit dem Fortschreiten der Tonfilmzeit wurde es dann immer stiller um ihn und schliesslich geriet er, wie damals auch Keaton, in Vergessenheit. Seine Wiederentdeckung ist noch in vollem Gange.

Safety Last handelt von der gefährlichen Nähe der beiden Gegenpole Erfolg und tödlicher Absturz. Ein junger Mann (Lloyd) reist in die grosse Stadt, um dort sein Glück zu machen. Seine Verlobte setzt ihn unter Druck – er muss einfach etwas Grosses werden. Schon die Arbeitssuche in der Stadt entpuppt sich als ausserordentlich schwierig. Er und sein Zimmergenosse „Limpy Jim“ können kaum die Miete bezahlen. Nur mit unsäglichen Tricks halten sie sich über Wasser und mit viel Geschick kann Harold etwas Geld für eine Brosche abzweigen, die er seiner Liebsten nach Hause schickt – begleitet mit einem Brief, der seiner Liebsten vorgaukelt, er selbst habe eine leitende Position in einem der führenden Warenhäuser New Yorks inne. Natürlich reist sie ihm nach; es kommt zu unsäglichen Missverständnissen, die in eine der atemberaubendsten Sequenzen der ganzen Slapstick-Geschichte gipfeln, eine Sequenz, die absolut nicht komisch ist, die einem mit immer neuen Un- und Zufällen die Haare zu Berge stehen lässt: Harold muss an der Fassade „seines“ Warenhauses hochklettern.

Das Eindrücklichste daran ist, dass alles echt wirkt. Es gibt keine Rückprojektion. Kein Trick ist bemerkbar. Die Sequenz wirkt von Anfang bis Ende so, als sei der Schauspieler Harold Lloyd tatsächlich am Wolkenkratzer aussen hochgeklettert.

Lloyds Filme funktionieren, mehr als Chaplins oder Keatons Werke, immer auch als historische Dokumente des damaligen Amerika. In Safety Last etwa wird das New York der Zwanzigerjahre so ganz nebenbei porträtiert, weil Lloyd an Originalschauplätzen drehte, auf Strassen und Plätzen, während seine Kollegen Kulissen errichten liessen. Die Kaufhaus-Sequenz aus Safety Last etwa entstand in einem echten Kaufhaus, das einem Verwandten des Produzenten Hal Roach gehörte, der es der Filmcrew in den Nachtstunden zum Dreh überliess.

Noch heute wirkt die berühmte Fassadenkletter-Sequenz derart erstaunlich, dass sie alle Zuschauer immer wieder in gespanntes Schweigen versetzt.




1. März 2015

15:00 Uhr Kinderprogramm

Charlie Chaplin
His Night Out (1915). 16 mm.
The Adventurer (1917). 16 mm.

Laurel & Hardy
Big Business (1929). 16 mm.


Als die Bilder laufen lernten… da gab es Clowns, deren Spässe dank des Mediums Film um die ganze Welt gingen und Leute aller Nationen zum Lachen brachten. Die Clowns und ihre Spässe wurden überall verstanden, denn weil das Kino in seiner Anfangszeit noch keinen Ton kannte, mussten sie eine Sprache erfinden, die allgemeinverständlich war – ohne Worte!

Und so lachten damals alle Kinobesucher, ob sie nun in Uzwil, Uganda oder Usbekistan lebten, über die Spässe der Clowns, denn diese waren universell zu verstehen, egal welche Muttersprache man sprach.

Einige dieser Clowns wurden weltberühmt, denn sie waren wirklich gut. In unserem Programm treten drei der weltberühmtesten Clowns überhaupt auf: Charlie Chaplin, Stan Laurel und Oliver Hardy. Die Filme entstanden vor fast hundert Jahren, 1915-1929.

Das Kinderprogramm ist geeignet für Kinder, Jugendliche, Eltern, Grosseltern, Göttis, Gotten und alle, die eintauchen möchten in frühere Zeiten! Die Filme werden wie damals gezeigt: stumm, mit einer Musikbegleitung an einer echten Kino-Orgel. Lachen ist garantiert!